Was ist Philosophie?

Was kommt Euch/Ihnen bei diesen Bildern in den Sinn? Nehmt Euch/ Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um darüber „nachzudenken“. Die Auflösung gibt es zum Schluss.
Philosophie wird am Gymnasium Calvarienberg als freiwilliger Grundkurs angeboten, den man in der Oberstufe belegen kann. Aber worum geht es überhaupt in diesem Fach?
Der Begriff Philosophie, der aus dem Griechischen stammt, lässt sich in zwei Teile zerlegen (Philo-sophie) und bedeutet „Liebe zur Weisheit“. Im Unterrichtsfach Philosophie gibt es vier große Themen, mit denen man sich beschäftigt. Im ersten Halbjahr der elften Klasse steht die Anthropologie im Vordergrund, die sich mit der Frage „Was ist der Mensch?“ befasst. In diesem Zusammenhang stehen Beziehungen, wie die zwischen Mensch und Tier, Technik oder Natur im Mittelpunkt und man entwickelt eine Definition des menschlichen Wesens. Darauf folgt im zweiten Halbjahr die Erkenntnistheorie, welche sich auf die Logik bezieht und woraus sich die Frage „Was können wir wissen?“ stellt. Verbunden damit sind Fragen wie „Was ist Wirklichkeit und was ist Wahrheit?“ Die zwölfte Klasse beschäftigt sich mit dem Thema Ethik, welches sich im zweiten Halbjahr nochmal in die Staats- und Geschichtsphilosophie gliedert. Hier fragt man sich: „Was sollen wir tun?“ In diesem Zusammenhang wird z.B. in einem Gedankenexperiment versucht, einen eigenen Staat auf einer Insel aufzubauen. Das letzte Schuljahr ist geprägt durch die Metaphysik, die die Frage aufwirft: „Was dürfen wir hoffen?“
Neben freien philosophischen Gedankengängen und Experimenten steht das Arbeiten mit philosophischen Texten. Dabei wird der Text im Hinblick auf verschiedene Aspekte gelesen, wie Resultate (Was denkt der Philosoph?), Argumente (Warum denkt der Philosoph so?), dialektische Zusammenhänge (Wie denkt dieser Philosoph?), Kritik (Was hat es mit der philosophischen Position auf sich?) und philosophische Probleme (Welche Bedeutung hat die philosophische Position?). Darauf folgt das freie Philosophieren, wozu man sich Kenntnisse der philosophischen Geschichte aneignet, um letztendlich selbst philosophische Gedanken und Texte verfassen zu können.
Neben der Frage, womit sich das Unterrichtsfach befasst, steht natürlich auch die Frage, welche Voraussetzungen man braucht. Dazu lässt sich sagen: „…das Einzige, was wir brauchen, um gute Philosophen zu werden, ist die Fähigkeit, uns zu wundern!“ (Jostein Gaarder-Sofies Welt)

Hinterfragen, sich wundern, Nachdenken

von Lisa-Marie Fuchs und Linda Trarbach, MSS 13 (2015)


Die Anthropologie: Was ist der Mensch?

Ein Plüschpottwal stellt sich vor das Fenster eines Fastfood-Restaurants und klopft an die Scheibe. Begeistert winkt er und ein Blauwal, ebenfalls aus Plüsch, erscheint. Die beiden rufen, gestikulieren und fotografieren die verdutzten Menschen hinter der Schaufensterscheibe, die nicht so recht wissen, wie ihnen geschieht.
Szenenwechsel: Eine junge Frau geht auf der Straße und telefoniert ungestört mit ihrem Handy. Plötzlich kommt ihr ein Meeressäuger, ebenfalls durch einen Menschen im Plüschkostüm dargestellt, entgegen und hält ihr einen Reifen entgegengestreckt. Als sie sich weigert, durch diesen hindurchzusteigen, wirft der Wal den Reifen einfach über sie, sodass sie stolpert.
Kommen euch diese Situationen aus der Aktion „Human World“´ des Comedians Rémi Gaillard befremdlich und gleichzeitig seltsam vertraut vor? Sie geschehen Tag für Tag, nur in einer anderen Besetzung. In Delfinarien müssen Meeressäuger unter Applaus des (menschlichen) Publikums durch Reifen springen oder ihre Dresseure auf dem Rücken balancieren, während diese sich feiern lassen.
Ist das in Ordnung? Hat der Mensch das Recht, Tiere zu seiner Unterhaltung gefangen zu halten und sie seiner natürlichen Lebensweise zu berauben? Und überhaupt: Was unterscheidet denn den Menschen vom Tier? Der Verlauf der Evolution, unser aufrechter Gang oder allein die Tatsache, dass wir uns über solche Problemstellungen überhaupt Gedanken machen können? Ist der Mensch nur ein weiterentwickeltes Tier, also ein Körperwesen, das in erster Linie aus Trieben und Urinstinkten handelt, oder ist Basis seiner Entscheidungen die Vernunft, die ihn als Geistwesen identifiziert, so wie Immanuel Kant den Menschen im 18. Jahrhundert sah?
Die Anthropologie beschäftigt sich in erster Linie mit der Frage: Was ist der Mensch?
Dies ist die erste aller Fragen, auf ihr lässt sich nahezu jedes Gebiet der Philosophie aufbauen. Der Mensch macht sich selbst zum Mittelpunkt seiner Überlegungen, er denkt sozusagen „über den Denkenden selbst“ nach und versucht so, sich selbst und die Gesellschaft um sich herum zu erklären.  Dies ist der Ausgangspunkt, aus dem sich so viele Fragen ergeben, dass mindestens genauso viele Erklärungsmöglichkeiten, wenn nicht sogar sehr viele mehr, von den unterschiedlichsten Philosophen existieren.

Link zur Aktion: https://www.youtube.com/watch?v=w1k4tyPuIOQ

Johannes Saal, Heike Sistig, Katharina Geschier (MSS 13, 2015)

Erkenntnistheorie

Wie schon aus dem Titel ersichtlich sollen sich die nachfolgenden Worte mit der Erkenntnistheorie bzw. der Epistemologie befassen und deren Beschäftigungsfeld grob umreißen. Worum geht es also in dieser Sparte der Philosophie? Der berühmte Immanuel Kant umfasste diesen Bereich mit den einfachen Worten: „Was kann ich wissen?“ Die Epistemologie stellt also diese Frage und zwar grundlegend, denn es wird darüber nachgedacht, wie Erkenntnis überhaupt zustande kommt und unter welchen Umständen man von Erkenntnis sprechen kann. Es zeigen sich in diesem Themenbereich die verschiedensten Fragen mit größtenteils sehr kontroversen Antworten. Die Fülle an Fragen und Antworten ist nicht erstaunlich, wenn man bedenkt, dass diese Art der Philosophie sich bis in die Antike zurückverfolgen lässt. Schon die Griechen fanden sich vor dieser Fragestellung wieder, die für unser Leben und Erleben zwar eine große Bedeutung hat, aber im Alltag selten so explizit im Raum steht. Wir erwarten wie selbstverständlich, dass die Sichtung einer auf uns zufliegenden Sahnetorte auch tatsächliche einen Erkenntnisgewinn darstellt und reagieren naturgemäß ausweichend. Doch wer sagt uns eigentlich, dass die alleinige sinnliche Wahrnehmung schon eine Erkenntnis beinhaltet? Kann uns wahre Erkenntnis nicht nur die Vernunft bescheren? Hat das Sinnliche überhaupt wirkliche Relevanz? Oder gehören sowohl die Vernunft als auch die Sinne zum Erkennen untrennbar dazu? Ist die Außenwelt tatsächlich so, wie sie uns erscheint, oder ist die Sahnetorte in Wirklichkeit keine Sahnetorte, sondern eine Nussecke und sie erscheint uns, aus welchem Grund auch immer, nur als eine solche? Gibt es überhaupt eine von uns unabhängige Außenwelt oder ist all unser Wissen nur konstruiert und hat überhaupt nichts mit einer wohlmöglichen Außenwelt zu tun? Existiert die Welt materiell oder gar nur in einer rein geistigen Form z.B. als Ideenreich in unserem Kopf? All diese Fragen werden gestellt und müssen erst einmal beantwortet werden, bevor man zu den scheinbaren Hütern der Erkenntnis, den Naturwissenschaften, sich begeben kann und nachts auch ruhig schläft, wenn man deren Inhalte als Erkenntnis verkauft. Die Philosophie befindet sich, wie so oft, mit der Erkenntnistheorie an den grundlegendsten Fragen, deren Antworten so faszinierend ausfallen, wie sie wichtig sind als grundlegende Säulen in unsrem Selbst- und Weltverständnis.    

Philosophie GK 13 (2015)