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Juniorwahl am Gymnasium Calvarienberg

24.09.2017
Von: Lara Gerharz u. Louisa Glöde (MSS 11); Dr. Torben Stretz u. Susanne Zepp

In der Woche vom 11.09. bis 15.09. fand am Gymnasium Calvarienberg die Juniorwahl statt. Die Juniorwahl ist ein Projekt zur politischen Bildung in Schulen und wird von der Bundesregierung unterstützt. Es findet statt, um das Meinungsbild zum Thema Politik, Parteien und Wahlen der Jugendlichen mit dem der Erwachsenen zu vergleichen und um das vielleicht wichtigste Staatsbürgerrecht, das Wählen, möglichst realitätsnah einzuüben. Die Teilnahme an der Wahl am Calvarienberg, zu der knapp 200 Schüler der Jahrgangsstufen 10 bis 13 aufgerufen waren, empfanden diese als sehr interessant. Bundesweit nahmen rund 1000.000 Schüler an dieser zum fünften Mal stattfindenden Juniorwahl teil.
Der Ablauf der Juniorwahl entspricht fast genau dem echten Wahlakt. Es gibt Wahlhelfer, die die Wahl organisieren, die Wähler gehen mit einem authentischen Wahlzettel in die Wahlkabine und machen ihre Kreuze. „So konnten wir schon mal üben, für die Zeit, wenn wir wirklich wählen dürfen“, kommentierte eine Schülerin der Jahrgangsstufe 11. All dies wurde vom Sozialkunde Leistungskurs 12 genauestens überwacht, denn dieser Kurs stellte den Wahlvorstand und zählte auch die Stimmen aus.
Zur Vorbereitung der Wahl wurden die Themen Bundestagswahl und Parteien im Unterricht behandelt und einige Kurse führten den „Wahl-O-Mat“ durch. Nicht zu vergessen ist schließlich die Podiumsdiskussion Ende August, bei der sich die Direktkandidaten des Wahlkreises den Fragen der Schüler stellten. So hatten die Schüler ausreichend Gelegenheit, sich zu informieren und eine Meinung zu bilden, um eine gute Wahlentscheidung zu treffen. Vor allem die Podiumsdiskussion wurde als sehr informativ und interessant von den Schülern empfunden und war sehr hilfreich, um sich für eine Partei zu entscheiden.
Letztere hatte offensichtlich einen größeren Einfluss auf die Wahlentscheidung der Schüler. Bei den Erststimmen waren deutliche Ausschläge zugunsten von Christina Steinhausen (FDP) zu erkennen, die zumindest am Gymnasium Calvarienberg den Wahlkreis Ahrweiler direkt gewonnen hätte und die Bundestagsabgeordneten Mechthild Heil und Andrea Nahles auf den zweiten und dritten Platz verwies. Frau Steinhausen hatte bei den Schülerinnen und Schülern besonderen Eindruck gemacht, wie in der Nachbesprechung der Veranstaltung zum Ausdruck kam. Gleiches lässt sich auch für die Kandidaten der Grünen und AfD sagen, allerdings eher zum gegenteiligen Effekt, denn beide erhielten kaum oder keine Erststimmen von den Schülern. Möglicherweise lassen sich so auch einige Tendenzen bei der Zweitstimme erklären, die aber weit weniger deutlich ausfielen. Dies zeigt einmal mehr, dass die Veranstaltung eine nachhaltige Wirkung bei den Schülerinnen und Schülern hatte. Dies ist insofern zu begrüßen, als der direkte Kontakt mit der Politik die Jugend durchaus zu erreichen scheint, andererseits aber ein Stück weit problematisch ist, zeigt es doch die auch bei manchem Erwachsenen zu beobachtende Tendenz, Fragen des Auftretens und des persönlichen Stils stärker zu berücksichtigen als politische Inhalte.
Bei den Zweitstimmen lassen sich gegenüber den Juniorwahlen, die 2013 am Calvarienberg durchgeführt wurden, Zugewinne für die Volksparteien CDU, SPD und die FDP erkennen, während die anderen kleineren Parteien allesamt Stimmenverluste zu verzeichnen haben. Damit gehen die Ergebnisse am Calvarienberg auch ganz deutlich gegen den Trend der Bundestagswahlen, wo die Volksparteien deutliche Verluste hinnehmen mussten. Besonders auffällig beim Abschneiden der kleineren Parteien am Calvarienberg waren die Verluste der Piraten, die 2013 noch auf 8,5% gekommen waren und jetzt gerade noch 1,1 % der Stimmen erhielten. Letzteres Ergebnis könnte man so interpretieren, dass die Piraten heute in Medien und Politik kaum noch eine Rolle spielen und deshalb auch für die Schüler keine Größe mehr sind.
Die CDU errang am Calvarienberg, ähnlich wie auf Bundesebene, die meisten Zweitstimmen, während die SPD etwas schlechter abschnitt. Die Zweitstimmenanteile der kleineren Parteien waren ebenfalls am Calvarienberg kaum mit dem zu vergleichen, was wir am Sonntagabend beobachten konnten, errangen doch die gemäßigteren Grünen und die Liberalen starke zweistellige Ergebnisse, während ihre Konkurrenz im linken und rechten Spektrum am Gymnasium fast überhaupt keine Unterstützer fanden – ganz anders als auf Bundesebene.
Die Wahlbeteiligung lag mit gut 95% hoch, was angesichts der Veranstaltung einer Wahlwoche im Sozialkundeunterricht nicht überrascht. Übertragbar auf die Abhaltung der Bundestagswahlen wäre dieses Modell zur Steigerung der Wahlbeteiligung wohl aber nicht, es sei denn, man wollte künftig die Wahlberechtigten während ihrer Arbeitszeit zur Wahl aufrufen. Alles in allem wurde das Projekt von den Schülern mit Interesse und Ernsthaftigkeit durchgeführt und sie gaben ein positives Feedback.

 

Ergebnisse im Einzelnen

Anzahl der Wahlberechtigten: 197

Anzahl der abgegebenen Stimmen: 188

Wahlbeteiligung: 95,4%

Erststimmen

Direktkandidat (Partei)

Absolute Zahlen

Prozentanteil

Mechthild Heil (CDU)

46

24,5 %

Andrea Nahles (SPD)

36

19,1 %

Martin Schmitt (Grüne)

7

3,7 %

Christina Steinhausen (FDP)

89

47,3 %

Marion Morassi (Die LINKE)

7

3, 7 %

Katrin Koch (AfD)

-

0 %

Piraten (Dr. Axel Ritter)

1

0,5 %

Siegfried Verdonk (Parteilos)

2

1,1 %

 

 

Zweitstimmen

Partei

Absolute Zahlen

Prozentanteil

Gewinne/Verluste zu 2013

CDU

76

40 %

+4

SPD

36

19,1 %

+4,3

Bündnis 90/ Die Grünen

32

17 %

-5

FDP

30

15,9 %

+9,9

Die LINKE

4

2,1 %

-0,2

AfD

2

1,1 %

-2,6

Sonstige

8

4,2 %

-2