Hochleistungsförderung in der Sek.I - Das Calvarienberger Vorversetzungsmodell

1. Grundlagen des Vorversetzungsmodells


Seit Jahrzehnten nehmen immer wieder Jugendliche unserer Schule das Angebot der individuellen Vorversetzung wahr, wobei die Vorversetzung zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten innerhalb der jeweiligen Bildungslaufbahn erfolgt, was  eine gezielte Unterstützung seitens der Schule erschwert.
Aufgrund des gestiegenen Interesses an dieser Art der Förderung wurde im Sommer 2004 beschlossen,  ein Vorversetzungsmodell für eine größere Gruppe individuell für unsere Schule zu entwickeln. Dabei sollten eine fachlich solide Ausbildung und eine individuelle Betreuung der Springer im Vordergrund stehen. Das Programm erstreckt sich daher über die Beobachtungsphase bereits ab Klasse 5 über die sorgfältige Auswahl der potentiellen Springer bis hin zu einer differenzierten Betreuung während des Springerjahres.

In Frage kommen Schülerinnen  und Schüler, die eine schnelle Auffassungsgabe, ein besonders gutes Gedächtnis, eine hohe Motivation, ein solides Arbeitsverhalten sowie eine stabile Persönlichkeit besitzen. – Von Ausnahmen abgesehen dokumentiert sich das Vorhandensein dieser Merkmale in überdurchschnittlichen Schulleistungen.

Weil  im Rahmen des Differenzierungsangebotes in den Jahrgangsstufen 5, 6 und 9 jeweils eine neu einsetzende Fremdsprache angeboten wird, ist die Jahrgangsstufe 8 für eine Vorversetzung besonders geeignet.

2. Beobachtungs - und Beratungsphase in den Klassen 6 und 7


In den letzten Wochen der Klasse 6 sowie den ersten Monaten der Klasse 7 werden alle Schülerinnen und Schüler durch Fach- und Klassenlehrer/innen beobachtet, besonders im Hinblick auf ihre intellektuellen Potenziale und schulischen Entwicklungsmöglichkeiten. Die Beobachtungsphase wird unterstützt durch den Einsatz von Beobachtungsbögen.

Vor den Weihnachtsferien finden informelle Beratungen im Rahmen der Mittelstufenkonferenzen statt sowie erneute Gespräche mit den ehemaligen und neuen Klassenlehrer/innen.  Die angefertigten Beratungsbögen  werden ausgewertet und die in Frage kommenden Schülerinnen und Schüler benannt, für die eine Teilnahme am Vorversetzungsmodell aufgrund der erhobenen Informationen möglich erscheint.

Diese Kinder werden mit ihren Eltern zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, bei der auch Schüler/innen anwesend sind, die bereits gesprungen sind. In diesem Rahmen wird das Versetzungsmodell erläutert und alle aufkommenden Fragen werden, soweit möglich,  beantwortet.

Danach treffen die Kinder - gemeinsam  mit ihren Eltern - die jederzeit revidierbare Entscheidung über die Teilnahme an den Brückenkursen.
Die Entscheidung muss bis zum 23.Januar vor den Zeugniskonferenzen schriftlich vorliegen.

3. Brückenkurse


Aufgrund der erfolgten Anmeldungen richtet die Schulleitung Brückenkurse in den Fächern Englisch, Französisch, Latein und Mathematik ein. Die Brückenkurse beginnen Ende Februar, beinhalten in der Regel zwei Wochenstunden pro Fach in der Springergruppe sowie 1 bis 2 Stunden im Selbstlernzentrum, in den übrigen Fächer bleiben die Schülerinnen und Schüler in ihren Stammklassen. Bis zu den Osterferien schreiben die Springer die Klassenarbeiten noch im alten Klassenverband mit, danach stellt sie der jeweilige Brückenkurslehrer.
 
Im Selbstlernzentrum steht den Schülerinnen und Schülern von den Fachschaften ausgearbeitetes Material zur Verfügung, das alle notwendigen Informationen aus den übersprungenen Unterrichtseinheiten enthält, außerdem stehen Schulbücher, Fachbücher und andere Hilfsmittel zur Verfügung.

4. Endgültige Entscheidung über die Vorversetzung und weitere Hilfen


Der Zeitpunkt für die eigentliche Vorversetzung ist dann gekommen, wenn nach Einschätzung der betreuenden Lehrkräfte die wesentlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht der nächst höheren Jahrgangsstufe geschaffen sind und wenn außerdem der Entschluss der Jugendlichen zugunsten der Vorversetzung gefallen ist.  Nach allen Erfahrungen sind die Osterferien ein günstiger Zeitpunkt.

Die Schülerinnen und Schüler nehmen danach am Unterricht der aufnehmenden  achten Klasse teil, um sich dort in die neuen Klassengemeinschaften zu integrieren, besuchen andererseits aber noch für 6 -10 Wochenstunden die Brückenkurse, in denen dann noch gezielter die Aufarbeitung von Wissenslücken unterstützt werden kann. Nach erfolgter Vorversetzung können  die Schülerinnen und Schüler die letzten Klassenarbeiten des 2.Halbjahres probeweise im neuen Klassenverband mitschreiben, um daraus letzte Hinweise darauf zu bekommen, welcher Unterrichtsstoff mit welcher Intensität noch in den Sommerferien nachgearbeitet werden muss.

Die Noten auf dem Versetzungszeugnis in den schriftlichen Fächern erteilen die Lehrer/innen der Brückenkurse (auf der Basis der Noten der 7. Klassen-Zeugnisse) in Absprache mit den Fachlehrer/innen der 8.Klassen, in die die Schüler/innen  vorversetzt wurden. In den nicht-schriftlichen Fächern erfolgt die Festlegung der Noten durch die Fachlehrer/innen der Klassen 7 in Kooperation mit den Fachlehrer/innen der Klassen 8.

Am Ende dieses Halbjahres 7/2 wird die Entscheidung über die Versetzung in die Jahrgangsstufe 9 gefällt, die nach Erfahrungen bis auf wenige Ausnahmen immer positiv ausfiel. Vor den Sommerferien erhalten die Schüler/innen, die sich haben vorversetzen lassen, noch einmal von den Fachlehrer/innen in Kooperation mit den Brückenkurslehrer/innen und der Beratungslehrerin einen Überblick über die Stoffbereiche, die noch aufgearbeitet werden müssen.

Die Brückenkurslehrer/innen stehen auch weiterhin beratend zur Verfügung, die neuen Klassenlehrer/innen und Fachlehrer/innen werden über die besondere Situation der Springer informiert. Während der weiteren Schulzeit bis zum Abitur und darüber hinaus werden die Springer von der Beratungslehrerin weiter begleitet, für Projekte, Akademieaufenthalte sowie ev. Stipendien vorgeschlagen.

Frau StD’ i.R. Inge Klaus hatte sich dieser Aufgabe angenommen und die Springer seit Beginn des Projektes neun Jahre lang begleitet. Seit dem Schuljahr 2014/15 wird dies von Dr. A. Gies ausgeführt.

Die Beratungslehrerin steht allen Eltern der Schüler/innen, die an diesem Programm teilnehmen, zur individuellen Beratung zur Verfügung.

U.Schülting                                      Dr. A. Gies   
 Schulleiter                                Beratungslehrerin